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Randnotizen

Randnotizen 12,50 €
Randnotizen 12,50 €

Randnotizen ist bei der edition maya im April 2017 erschienen. Das Buch enthält 80 Geschichten zu den Themen "Made in Germany - von Politik und Wirtschaft", "Die Pfalz macht auch mit", "Das wahre Leben", "Das einzig Wahre:Liebe" und "So geht Schreiberleben". Besonders zu erwähnen: Alle Geschichten sind genau 20 Normzeilen lang. Das Buch hat 184 Seiten.

Buchtipp von Karl Feldkamp

Peter Reuter: Randnotizen – Satiren und andere Wahrscheinlichkeiten

Nebensachen zu diversen Hauptsächlichkeiten



Wenn sich der Autor Peter Reuter und sein legendärer Füllhalter an die Arbeit machen, kann dabei immer nur Unwahrscheinliches herauskommen. Denn die Beiden haben ihren ganz eigenen Humor und eine durchgehend ironische Sicht auf ihre Umwelt. Der prall mit erstaunlichen Beobachtungen gefüllte Band könnte ein sorgfältig geführtes Tagebuch sein. Allerdings fehlen die genauen Daten der jeweiligen Tage, zumal es ohnehin schwierig wäre, jene in den Randnotizen eingefangenen Erlebnisse oder persönlichen Urteile nur jeweils einem ganz bestimmten Tag zuzuordnen. Es sind im besten Sinne Alltagsszenen, die offenbar einem gewissen Wiederholungszwang unterliegen.

Warum auch immer spielen die deutsche Politik und Wirtschaft mit fast allen ihren Facetten dem Füllhalter und dem Autor jede Menge wesentlich und vor allem auch unwesentliche Ereignisse zu, die beide genüsslich kommentieren müssen. Selbst das „Märchen vom Grundgesetz“ lassen sie nicht aus. Es spielt verständlicherweise in einem deutschen Märchenland mit „einer lebenswerten und menschenfreundlichen Verfassung“. Diese erste Randnotiz des Buches schließt mit dem Erstaunen, dass viele Menschen den Autor fragen, „wie man auf solch putzige Gedanken komme“. Danach waren die Väter des Grundgesetzes eben auch passionierte Anhänger des Lands der Dichter und Denker.

Das „wahre Leben“ ist Peter Reuter 19 Eintragungen in sein Randnotizbuch wert. Es findet sich unter anderem in den besonderen Abenteuern beim Nacktbaden im Baggersee. Und als der Schreiber der Randnotizen der real sehr netten und unbekleideten Frau Sowieso die Hand reicht und er darum den Füllhalter wegstecken muss, endet das mit jähem Schmerz, da sich jenes Schreibgerät nicht in nicht vorhandenen Kleidungsstücken sondern nur auf nackter Haut verstauen lässt.

Auch zum einzig Wahren, zur Liebe, sind dem Autor unterschiedlichste Anmerkungen eingefallen. Nach Dietrich Bonhoeffer ist da, „wo die Liebe ist“, „der Sinn des Lebens erfüllt“. Und im Glauben, seine große Liebe vor sich zu haben, gesteht darum der Autor: „Ich liebe Dich – und wie!“. Um dann festzustellen, dass er nur vor dem schlecht geputzten Schlafzimmerspiegel steht. Schließlich gelingt es dem Gedichteschreiber in seiner Notiz „Tja, Lyrik eben“ nicht einmal durch Einschaltung des Germanistischen Instituts der Universität in Wladiwostok, den entsprechende Verleger von der Güte seiner besonderen Wortwahl zu überzeugen.

Besonders für Leser und Leserinnen mit einer ausgesprochenen Vorliebe für grotesken Humor sowie für die Skurilitäten des ach so Alltäglichen ist dieses Buch eine wahre Fundgrube.

©Karl Feldkamp, Neue Rheinische Zeitung

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